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CINEMA UTOPIA erzählt die Geschichte des Filmfestivals von Ballmertshofen und verbindet sie mit den Biografien seiner Gründer, den Geschwistern Heida, Udo, Gabi und Beate Legner. Ausgehend von diesem kleinen schwäbischen Dorf mit ca. 400 Einwohnern entfaltet der Film ein Panorama von 70 Jahren deutscher und internationaler Zeitgeschichte – von Mitte der 1950er Jahre bis in die Gegenwart.

Im Zentrum steht die Frage, was von den Utopien der 1968er-Generation geblieben ist. Inspiriert von Bürgerrechtsbewegung, Protestkultur und der Musik von Bob Dylan beginnen die Geschwister in den 1970er Jahren, in ihrem Heimatdorf ein Filmfestival zu organisieren. Ihr Ziel ist es, Film, Musik und Diskussion als verbindende Kraft zu begreifen – als Möglichkeit, gesellschaftliche Fragen auch jenseits der Metropolen zu verhandeln. Aus ersten Filmvorführungen im Schulsaal, angestoßen durch den Vater, entwickelt sich über Jahrzehnte ein Festival, das heute bis zu 1.500 Besucher in das kleine Dorf zieht.

Der Film spiegelt diese Entwicklung vor dem Hintergrund politischer und kultureller Zäsuren: Wirtschaftswunder, Kalter Krieg, RAF-Terror, Mauerfall, Wiedervereinigung, Finanzkrisen, Flüchtlingsbewegungen, dem Klimawandel und der Pandemie bis in unsere gegenwärtige Zeit der internationalen Krisen und Kriege. Diese Ereignisse werden nicht enzyklopädisch abgehandelt, sondern in Gesprächen mit den Festivalmachern reflektiert und durch prägende Filmausschnitte der jeweiligen Jahrzehnte kommentiert. So entsteht zugleich eine Reise durch siebzig Jahre Filmgeschichte.

Formal folgt der Film einer doppelten Dramaturgie: Chronologisch werden die Jahrzehnte seit den 1950er Jahren durchlaufen, parallel dazu begleitet die Kamera ein aktuelles Festivalwochenende – vom Aufbau über die Filmvorführungen, den Kinderzirkus und Spielturniere, Live-Konzerten, gemeinschaftlichem Kochen und Essen, bis hin zum Fußballturnier der Dorfbewohner gegen das Festivalteam. Interviews mit den Festival-Machern und Gästen, historische Fotos, zeitgeschichtliche Filmdokumente, Super-8- und VHS-Material, Ausschnitte bekannter Filme und atmosphärische Beobachtungen verbinden die Vergangenheit mit unserer Gegenwart und werden zu einem großen Ganzen.

Im Unterschied zu den bekannten, kommerziell geprägten Festivals versteht sich das Filmfest Ballmertshofen als Gegenentwurf: ohne Wettbewerb, ohne Glamour, ohne PR-Inszenierung, ohne roten Teppich. Im Mittelpunkt stehen menschliche Begegnungen, erfüllende Gespräche und gemeinsames, kulturelles Erleben. So wird dieses Festival des „Films, der Freude und der Fantasie“ zur gelebten Utopie, an einem Ort, an dem die Kultur das gemeinschaftliche Miteinander fördert und Generationen verbindet.

CINEMA UTOPIA ist damit mehr als die Chronik eines außergewöhnlichen Dorf-Filmfestivals. Der Film reflektiert, wie politische Ideale, kulturelle Impulse und persönliche Biografien sich über Jahrzehnte gegenseitig beeinflussen. Er fragt, ob und wie sich diese humanistische Vision – „and the world will live as one“ – in einer Welt zunehmender Polarisierung und Krisen im Kleinen bewahren lässt und die Menschen inspirieren kann.